Diskussion: Wie sehr beeinflussen die Medien unsere Meinung?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich von Nicolas Marschall in unserem kommunalen Blog "Ulms neue Mitte" veröffentlicht, den wir einstellten, um alle Inhalte auf dieser Website zusammenzufassen.

Wie sehr beeinflussen die Medien unsere Meinung? Überlegen Sie bitte: haben Sie schon einmal einen Presseartikel gelesen oder eine Nachrichtensendung gesehen und am nächsten Tag die Botschaft des Beitrags in eine Diskussion mit anderen eingebracht so als sei es Ihre eigene? Haben Sie den Bericht denn zuvor hinterfragt oder sogar überprüft?


Dabei gibt es ja kaum noch völlig objektive Berichterstattung. Selbst wenn “beide Seiten” Gehör finden, so lassen doch die meisten Berichte mindestens einen gewissen Unterton erkennen. Selbst wenn es sich nicht um eine Glosse oder einen Kommentar handelt.


Ich sage nicht, dass diese recht haben, aber wissen Sie, dass es mancherorts Medien gibt, die Gaddafi im Libyen-Konflikt als Opfer darstellen, das von Bösewichten aus seinem Amt geputscht wurde? Was suggerieren die deutschen Medien über Gaddafi? Und wer bestimmt, in welche Richtung der Tenor der Berichterstattung und damit die  öffentliche Meinung fast eines ganzen Landes geht?


Wussten Sie, dass man zur gleichen Zeit als George W. Bush in Deutschland als Bösewicht portraitiert wurde, in Georgien eine wichtige Straße nach ihm benannt hat, die jede paar Hundert Meter ein Portrait von ihm zierte?


Als weiteres Beispiel lesenswert ist eine Analyse von Andreas Hornung über die negative Darstellung Israels in der deutschen Berichterstattung über den Konflikt mit den Palestinensern.


Ist Ihnen bekannt, dass die Medien monatelang fast über jede Demonstration gegen Stuttgart 21 prominent berichteten, die Demonstrationen der Befürworter aber meist nur eine Randbemerkung wert waren? Ich könnte dies mit weiteren Beispielen belegen, aber wer die Augen aufmacht, bemerkt schnell, dass die meisten Medien klar auf der Seite der Gegner sind.


Ein ganz besonderer Bösewicht der deutschen Politik ist ja Guido Westerwelle. Glaubt man den Medien, so muss ja bei ihm wirklich alles schief laufen! Und die Wahlumfragen belegen dies. Doch glauben Sie wirklich, die Medien hätten positiver über ihn berichtet wenn er in konkreten Situationen anders gehandelt hätte? Ich sage Nein: Es ist völlig egal, was Westerwelle tut oder lässt. Die Medien haben sich auf ihn eingeschossen und drehen es in jedem Fall ins Negative. Natürlich berufen sie sich auf zuverlässige Quellen: SPD, Grüne, Linke und eigentlich alle anderen, die als Konkurrenz selbstverständlich ein Interesse an einer schwachen FDP haben. Und wenn das monatelang so geht, sind irgendwann auch die Umfragen und Wahlergebnisse der Partei im Keller. Wen wundert’s?


Übrigens sind nach einer repräsentativen Untersuchung aus 2005 (Link entfernt, da Seite offline) über 60% der Journalisten Anhänger von Grün-Rot (davon 35,5% grün). Was erwarten Sie dann, in der Presse für Meinungen zu lesen? Zumal die FDP mit ihrem Rekord-Wahlergebnis bei der letzten Bundestagswahl so mancher Konkurrenzpartei einen ziemlichen Schrecken versetzt hat. Klar, dass man dort anfing, zu reagieren.


Und dann gibt es ja noch die guten alten Zeitungsenten wegen schlichter Recherche-Fehler, wie z.B. der Bild Blog täglich aufs neue berichtet und berichtigt.


Was will ich damit sagen? Sie brauchen jetzt nicht gleich Guido Westerwelle gut zu finden, aber machen Sie sich doch beim Lesen und Fernsehen einfach etwas bewusster, was dort von wem aus welchem Interesse heraus berichtet wird.