Verbote nimmt doch keiner mehr ernst

Dieser Beitrag wurde ursprünglich von Nicolas Marschall in unserem kommunalen Blog "Ulms neue Mitte" veröffentlicht, den wir einstellten, um alle Inhalte auf dieser Website zusammenzufassen.

Es gibt sie an jeder Ecke und dazwischen sowie in allen Lebenslagen: Verbote und Gebote. Bei vielen fragt man sich auch schulterzuckend nach dem Sinn. Noch schwieriger aber: dort, wo Verbote wirklich einen Sinn haben, funktionieren sie auch nicht mehr. Denn schon wegen ihrer großen Anzahl nimmt sie keiner mehr richtig ernst.


Der Straßenverkehr ist ein typisches Beispiel, aber nicht das einzige: besonders extrem finde ich das Stoppschild. Die große Mehrzahl der Autofahrer hält nicht an wenn die Straße eigentlich frei ist. Allein an einer einzigen viel befahrenen Einmündung wie z.B. neben der Aral-Tankstelle in der Ulmer Karlstraße kann man Stoppschild-Übertretungen im 3-Sekunden-Takt zählen, und hochgerechnet auf die Stadt dürfte es Tausende am Tag ausmachen. Die Behörden sind bei so vielen Übertretungen komplett machtlos.


Vielleicht wollen die Behörden auch gar nichts gegen Übertretungen machen, denn wer sich noch an das Stoppschild hält, gefährdet sich und andere! Nachfolgende Autofahrer rechnen heutzutage nicht mehr damit, dass der Vordermann tatsächlich trotz freier Straße kurz anhalten könnte. Mir ist man schon beinahe hinten drauf gefahren, man hat mich angehupt, mir einen Vogel gezeigt und sogar beim Abbiegen auf der Gegenspur überholt – und zwar mehrfach – alles weil ich mich an ein noch immer gültiges Gebot halte.


Andere Leute sind dagegen am Verzweifeln, weil auch sinnvolle Verbote missachtet werden. So werden Parkplatz-Ausfahrten trotz zusätzlich aufgestellter Verbotsschilder regelmäßig zugeparkt. Und vor meinem Haus durfte ich über Wochen hinweg beobachten wie gering doch der Respekt vor roten Baustellenampeln ist. Blöd nur, dass der Gegenverkehr dann eben doch kommt und die Straße nicht breit genug für beide ist. Auch übersahen die Leute, dass gleichzeitig eine Fußgängerampel mit dieser Anlage verbunden war und fuhren bei ihrer Rot-Übertretung mehrfach beinahe Schulkinder über den Haufen, die grün hatten (das war vor der Stifterschule).


Was will ich damit sagen? Ein Umdenken geht nicht über Nacht, aber ich meine, dass der Respekt vor den verbleibenden Verboten zunehmen würde wenn man sie gründlich in vielen Bereichen zusammenstreicht, also z.B. das Stoppschild abschafft und durch Vorfahrt achten ersetzt. Auch ließen sich die verbleibenden Verbote besser kontrollieren und ahnden, dann gerne mit empfindlicheren Summen als jetzt. Wenn das Bußgeld für Falschparken niedriger ist als der Preis des Parkhauses nebenan, ist das doch ein schlechter Scherz.


Zugleich muss man die Ursachen abstellen anstatt Verbotsschilder aufzustellen: z.B. mehr Parkplätze, sinnvolle Park&Ride Lösungen, Verhandlungen mit ansässigen Firmen über Öffnung ihrer Parkplätze für die Öffentlichkeit nachts und am Wochenende, etc.